Kurzdoku über die Autonome Schule

Kein Deutschkurs ist illegal!

Der Film kann in hoher Qualität bei A-Films heruntergeladen werden.

Papierlose Zeitung 1/2010

Die erste Ausgabe der Papierlosen Zeitung ist gedruckt. Die Zeitung wird von illegalisierten Migrantinnen und Migranten im Rahmen eines Workshops an der Autonomen Schule geschrieben. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bleiberecht-Kollektivs und des Vereins Bildung für Alle.

Alle, die auf unserer Adressliste sind, bekommen die Zeitung per Post zugeschickt. Alle anderen sollten das schleunigst nachholen!

Papierlose Zeitung 1/2010 (pdf)



Erst ausschaffen, dann identifizieren?!

Dass die Schweiz Zwangsausschaffungen um jeden Preis durchführt, mag nichts wirklich Neues sein. Doch wer es bisher nicht glaubte, bekommt die Bestätigung nun von der NZZ, jedenfalls indirekt: Dort wird nämlich eine Mitteilung des Bundesamts für Migration zitiert. Darin steht, dass der 29-jährige Nigerianer, der kurz vor seiner Zwangsausschaffung gestorben ist (wohl genauer: gestorben wurde), mittlerweile identifiziert ist. Sprich: Man hatte sich offenbar nicht die Mühe gemacht, seine Identität festzustellen, bevor die Zwangsausschaffung angesetzt wurde.

Auch andere Vorgänge rund um das Ausschaffungsgefängnis sind höchst zweifelhaft. So teilte eine Sprecherin des kantonalen Justizvollzuges laut Medienberichten mit, dass der Hungerstreik im Ausschaffungsgefängnis beendet wurde. Was nicht erwähnt wird: Mehrere Häftlinge wurden kurzerhand in andere Gefängnisse verlegt, um den Widerstand zu brechen.

Papierlose Zeitung

Der erste Artikel aus der Schreibwerkstatt ist online! Alle Artikel werden von Aylsuchenden und illegalisierten Flüchtlingen selbst geschrieben. Ein Gemeinschaftsprojekt von Bleiberecht Zürich und Bildung für alle.

Vorläufige Adresse des Projekts: http://papierlosezeitung.wordpress.com

Neue Adresse: http://papierlosezeitung.ch

Bleiberecht – der Film

Das Flugblatt der Platzaktion

An der Platzaktion vom 19.12. verteilt Bleiberecht dieses Flugblatt:

Immer noch da, immer noch ausgegrenzt!

Nothilfe, Dynamisierung, Migros-Gutscheine, Arbeitsverbot, willkürlich angeordnete Ausschaffungshaft, gewaltsame Ausschaffungen. Dagegen haben wir, das Bleiberecht-Kollektiv, uns vor einem Jahr mit der Besetzung der Predigerkirche gewehrt. Und dagegen protestieren wir auch heute. Denn die Diskriminierungen und Gewaltakte gegen illegalisierte MigrantInnen (Sans-Papiers) sind immer noch die gleichen wie vor einem Jahr. Aber auch die meisten Flüchtlinge sind immer noch da und haben sich nicht aus der Schweiz ekeln lassen.

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Bildung für alle: Stellungnahme zur Uni-Besetzung

bfaEin Flyer mit dem folgenden Text wurde an der Bildungs-Demo vom 27.11. in Zürich verteilt.

Die Stellungnahme als pdf herunterladen

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Offener Brief aus Kolumbien

Bogotá, Kolumbien, 22. September 2009
Offener Brief
Mit Dankbarkeit an die Schweizer Bevölkerung

Seit 24 Stunden bin ich wieder im Land, in dem ich geboren wurde.
Gestern um 13 Uhr kam ich hier an, von der Schweizer Regierung
ausgeschafft nach 12 Jahren, in denen ich in diesem Land gelebt
habe. Einem Land, welches ich lieben gelernt habe, dessen Sprache ich
gelernt habe, in dessen Kultur ich mich eingelebt und der ich mich
angepasst habe, dem Land, in dem ich meinen Sohn seit dem Kindergarten
und bis Sekundarschulabschluss aufgezogen habe. Einem Land, in dem ich
mit Disziplin, Aufrichtigkeit und Fleiss gearbeitet habe, ohne je auf
die finanzielle Unterstützung von irgend jemandem angewiesen zu sein.
Ich kam in die Schweiz als Asylsuchende, denn in meinem Heimatland
herrscht Krieg, es ist ausgeblutet in den schweren und gewaltsamen
internen Konflikten. Mein Ehemann und seine Familie wurden Opfer von
politischer Verfolgung, welche rechtlich nicht geahndet wurde. Nachdem
unser Asylgesuch nach einem langen Prozess von Gesuchen und
Befragungen abgewiesen wurde war die Angst, in mein Heimatland Land
zurück zu kehren grösser als die Angst, ohne Aufenthaltsbewilligung in
der Schweiz weiter zu leben.
Am letzten Dienstag, dem 15. September 2009 wurde mein 17jähriger Sohn
Juan Jacobo verhaftet. Seither habe ich ihn nicht mehr gesehen. Am
Donnerstag 17. September 2009 wurde ich in unserer Wohnung verhaftet,
meine Ersparnisse wurden beschlagnahmt und ich wurde wie eine
Schwerverbrecherin in eine 4m2-Zelle gesperrt. Ich wurde ausgeschafft,
ohne dass meinem Wunsch, mit meinem Sohn in Kontakt treten zu können
stattgegeben wurde. Mir wurde mein Recht als Mutter, als Inhaberin der
elterlichen Sorge, als seine gesetzliche Vertreterin abgesprochen. Vor
allem aber wurde meinem Sohn das Recht verweigert, welches ihm gemäss
den Menschenrechten als Minderjähriger zustehen würde. Mein Sohn ist
noch immer inhaftiert .
Unsere Ehrlichkeit, unsere Arbeit, unsere Anpassungsleistungen waren
nicht ausreichend, um eine Aufenthaltsberechtigung in diesem Land zu
erhalten. Und dennoch haben wir die Art und Weise, wie wir jetzt
behandelt werden nicht verdient. Ich fordere die Schweizer
Gesellschaft, die Schweizer Regierung, dazu auf, darüber
nachzudenken, unter welchen Bedingungen und unter welchen Umständen
Migration stattfindet und über die Menschen, die Schutz suchen in
diesem fremden Land, weil ihr eigenes Land ihnen diesen nicht geben
kann ? nachzudenken, jenseits von Grenzlinien und Gesetzen.
Die Definition Illegale, eine solch unmenschliche Definition, dürfte
es gar nicht geben seit es Menschenrechte gibt. Die Schweiz verdient
etwas besseres.
Zum Schluss möchte ich der Schweizer Bevölkerung danken, den Menschen
und Organisationen, die uns unterstützt und sich für uns eingesetzt
haben, an erster Stelle der Sans-Papiers Anlaufstelle Zürich SPAZ.
Euch allen bin ich enorm dankbar. Die Schweizer Behörden bitte ich
als Mutter inständig, mich schnellstmöglich wieder mit meinem Sohn
zusammen zu führen und seiner emotionalen und körperlichen Integrität
grösste Sorge zu tragen. Diese Erfahrungen sind für uns unglaublich
schmerzhaft.
Und meinem Sohn sollt ihr ausrichten, dass ich ihn liebe. Und dass wir
bald wieder beieinander sein werden. Und dass unsere Träume nicht
sterben werden.
Mil abrazos
María Dennis Díaz Montaño

Español

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Pressemitteilung des Bleiberechts über die Ausschaffung von María Dennis Diaz (44) und die Inhaftierung ihres Sohnes Juan Jacobo Montana (17)

Illegale Ausschaffung der Mutter eines Minderjährigen

Am Sonntag 20. September 2009 um 18.00 Uhr wurde Maria Dennis Diaz (44), Kolumbianerin, wohnhaft in Zürich seit 1998, ausgeschafft. Die Ausschaffung fand drei Tage nach ihrer Verhaftung statt. Die Polizei tauchte am Donnerstag 17. 9. um etwa 5.30 Uhr in ihrer Wohnung auf und nahm sie mit zur Kaserne, wo ihr Sohn Juan Jacobo Montana (17) seit Dienstag 15. 9. in Haft war. Der Junge wollte zum Fussballspiel ins Stadion, als er von der Polizei verhaftet wurde. Er wurde unterdessen dem Haftrichter vorgeführt und befindet sich in Ausschaffungshaft.

Das Bleiberecht-Kollektiv betont, dass das Vorgehen der Behörden in diesem Fall nicht nur moralisch unhaltbar, sondern auch eindeutig illegal ist. So wurde u.a. Art. 44 des Asylgesetzes zur Einheit der Familie verletzt (Maria Dennis Diaz war einmal in einem Asylverfahren). Die Trennung von Mutter und minderjährigem Sohn ist nicht rechtlich. Ausserdem sollte nach Art. 64 des Ausländergesetzes bei einer formlosen Wegweisung eine Beschwerde innert drei Tagen möglich sein. Die Sans-Papiers Anlaufstelle hat am Samstag, den 19.9. per Fax an die zuständigen Behörden eine substantiierte juristische Eingabe gemacht. Darin wurde gefordert:

• eine beschwerdefähige Verfügung betreffend der formlosen Wegweisung gemäss Art. 64, Abs. 2 Aug
• die unverzügliche Aufhebung des Vollzugs der Wegweisung gemäss EMRK, Art. 8 und Art. 9, KRK
• die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung betreffend Vollzug der Wegweisung

Dass die Behörden die Ausschaffung nicht sistiert haben – im Wissen, dass die entsprechenden Ämter am Wochenende nicht arbeiten – kommt einer Ausserkraftsetzung des Beschwerderechts gleich. Eine Ausschaffung in drei Tagen an einem Sonntag ist ungesetzlich!

Am Freitagabend hat die Kantonspolizei dem Anwalt Peter Nideröst, der zu diesem eine Vollmacht von Juan Jacobo Dennis hatte und am Samstag auch Maria Dennis Diaz mandatiert wurde, mitgeteilt, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Am Sonntag hat die Kantonspolizei klare Informationen über Dennis und Juan Jacobo verweigert. Weder die ca. 70 Personen, die sich spontan vor der Kaserne versammelt haben, um gegen die Ausschaffung zu protestieren, noch die Sanspapiers Anlaufstelle Zürich wurden über die Situation von Dennis und ihrem Sohn informiert. Am gleichen Abend gegen 20 Uhr hat Dennis mit einem Aktivisten des Bleiberechts aus Frankfurt telefoniert. In einem kurzen Gespräch erzählte sie, sie sei in der Kaserne gewesen, als die Demonstration stattfand.

Während der Verhaftung in ihrer Wohnung, erzählte Dennis, habe die Polizei 1.100.- Fr. in bar beschlagnahmt. Später, während der Inhaftierung, habe die Polizei zusätzlich 7.500.- Fr. Ersparnis, die sie in der Bezirksparkasse Dielsdorf hatte, weggenommen. Im Flughafen hat Dennis 700.- bekommen. Der Rest dieses Geldes [wie viel?] soll die Verfahrungskosten decken. Dennis wohnt seit ca. zwölf Jahren nicht mehr in Kolumbien. Ihre Familienangehörigen leben weit entfernt von Bogotá, Zielstadt der Ausschaffung.

Die Zeit der Inhaftierung hat Dennis getrennt von ihrem Sohn verbracht. Bis zur letzten Minute wurde ihr jeglicher Kontakt zu ihrem Sohn verweigert. Juan Jacobo ist mit fünf Jahren in die Schweiz gekommen. Hier besuchte er erfolgreich neun Jahre die Volksschule, bis er eine Lehrstelle finden musste, was wegen seiner Papierlosigkeit unmöglich war. Mehr als drei Viertel seines Lebens hat Juan Jacobo in Zürich verbracht. Er ist hier gross geworden und Kolumbien ist für ihn ein fremdes Land. Heute Montagvormittag wurde Juan Jacobo dem Haftrichter vorgeführt und ist anschliessend inhaftiert worden. Seine Ausschaffung konnte nicht vollzogen werden, da er keinen Pass besitzt. Die Polizei bemüht sich, eine Geburtsurkunde von Juan Jacobo zu finden, um ihn so bald als möglich ausschaffen zu können. Obwohl Dennis sich kooperativ gezeigt und angeboten hat, das Dokument aus ihrer Wohnung zu holen, hat die Polizei ihren Vorschlag abgelehnt.

Die Ungerechtigkeit, die Willkür und der Mangel an Transparenz in diesem Fall zeigen erneut deutlich die Essenz der Migrations- und Asylpolitik der Schweiz und deren spezielle Anwendung im Kanton Zürich. Eine Politik, die gegen die europäische Menschenrechtskonvention und andere internationale Abkommen verstösst.

Die Bleiberechtskampagne setzt sich weiterhin ein für eine allgemeine Regularisierung von Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Ebenfalls rufen wir dazu auf, das Bewusstsein gegen die Ungerechtigkeit zu schärfen. Wir brauchen Zivilcourage, um diese Ungerechtigkeit zu stoppen.

Mutter ausgeschafft, kein Kontakt mit dem Sohn

Dennis wurde heute um 18.00 Uhr nach Kolumbien ausgeschafft. Sie hat die Demonstration vor dem Gefängnis gehört und dankt allen Beteiligten von Herzen. Mit ihrem 17-jährigen Sohn, mit dem sie seit 12 Jahren in der Schweiz lebte, wurde ihr seit der Verhaftung kein Kontakt gewährt. Ihr gesamtes Vermögen wurde beschlagnahmt. Die Migrationspolitik von heute ist die Vergangenheitsbewältigung von morgen…

Eindrücke von der gestrigen Demo: